
Unter dem Begriff Elektrosmog versteht man die Gesamtheit künstlich erzeugter elektromagnetischer Felder, denen Menschen im Alltag dauerhaft ausgesetzt sind. Stromkabel, Mobilfunkantennen, WLAN-Router, Mikrowellenherde und Smartwatches erzeugen permanent elektromagnetische Strahlung in der unmittelbaren Umgebung. Der Begriff selbst ist keine physikalische Fachbezeichnung, sondern ein Kunstwort aus „Elektro“ und „Smog“, das eine unsichtbare Belastung beschreibt, die sich ähnlich wie Luftverschmutzung über unseren Lebensraum legt, ohne dass wir sie mit den Sinnen wahrnehmen können.
Natürliche elektromagnetische Felder wie das Erdmagnetfeld oder Sonnenlicht existierten schon lange vor dem Menschen. Die Frage, die viele Betroffene umtreibt, ist nicht ob elektromagnetische Felder existieren, denn das ist physikalisch unbestritten, sondern was die dauerhafte Exposition mit künstlich erzeugten Feldern mit dem menschlichen Organismus macht.
Zur meistdiskutierten Frage rund um dieses Thema gehört jene, ob und in welchem Ausmaß Elektrosmog krank macht. Betroffene berichten von einer Vielzahl von Beschwerden, die sie mit einer erhöhten Strahlungsbelastung in Verbindung bringen. Zu den am häufigsten genannten Symptomen zählen:
Viele Menschen beschreiben diese Beschwerden als schleichend beginnend und über Monate zunehmend, ohne zunächst einen Zusammenhang mit ihrer Strahlenbelastung herzustellen. Für Menschen, die stark auf elektromagnetische Felder reagieren, hat sich der Begriff Elektrosensibilität etabliert, ein Zustand den die Weltgesundheitsorganisation als eigenständiges Phänomen anerkennt, ohne ihn bislang als Krankheit zu klassifizieren.
Jene Elektrosmog Sympotome sind individuell sehr verschieden und hängen offenbar von biologischen Faktoren ab, die noch nicht vollständig verstanden sind. Entscheidend ist: Die Erfahrungen von Menschen, die sich durch Elektrosmog belastet fühlen, sind real, unabhängig davon ob ein direkter biologischer Wirkmechanismus bereits zweifelsfrei belegt ist.
Bei der Frage eines kausalen Zusammenhangs zwischen Elektrosmog und Krebs gibt es eine viel zitierte Einordnung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), einer Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation. Jene Behörde stufte hochfrequente elektromagnetische Felder im Jahr 2011 als „möglicherweise krebserregend“ ein, eine Klassifizierung die seitdem in der Fachwelt intensiv diskutiert wird. Diese Einordnung bedeutet weder, dass Mobilfunkstrahlung nachweislich Krebs verursacht, noch dass sie harmlos ist.
Kaffee und eingelegtes Gemüse stehen in derselben IARC-Kategorie, was zeigt, dass „möglicherweise krebserregend“ eher eine Aussage über Forschungslücken als über bewiesene Risiken ist. Nach heutigem Stand existiert kein direkter, wissenschaftlich zweifelsfrei belegter Kausalzusammenhang zwischen alltäglicher Elektrosmog-Exposition und Krebsentstehung. Neuere Forschung zum Thema wie gefährlich Handystrahlung ist, liefert Hinweise, dass insbesondere bei langfristiger und intensiver Nutzung Gewebeveränderungen im Kopfbereich auftreten können, die weitere Untersuchungen rechtfertigen.
Nicht jeder Elektrosmog ist gleich, denn die physikalischen Eigenschaften unterscheiden sich je nach Frequenzbereich erheblich, und dieses Verständnis bildet die Grundlage für eine sinnvolle Schutzstrategie. Grob lässt sich zwischen niederfrequenten und hochfrequenten elektromagnetischen Feldern unterscheiden, wobei beide im Alltag allgegenwärtig sind und sich in ihren Quellen, ihrer Reichweite und ihren möglichen biologischen Effekten grundlegend voneinander unterscheiden. Bekannt als nicht ionisierende Strahlung, haben beide Typen nicht genug Energie um Atombindungen direkt aufzubrechen, wie es etwa Röntgenstrahlen tun. Beim gezielten Reduzieren der eigenen Belastung ist es hilfreich zu verstehen, welcher Typ in welchem Bereich des Alltags dominiert und welche Quellen sich wie beeinflussen lassen. Niederfrequente und hochfrequente Felder erfordern dabei unterschiedliche Maßnahmen, weshalb eine getrennte Betrachtung sinnvoll ist.
Felder im niedrigen Frequenzbereich entstehen überall dort, wo Wechselstrom fließt. Gerade der Elektrosmog aus der Steckdose ist für viele Menschen die unsichtbarste Form der Belastung, weil Haushaltsgeräte so selbstverständlich zum Alltag gehören, dass niemand sie als Strahlenquellen wahrnimmt. Stromleitungen in Wänden, Transformatoren, Netzteile und Elektrogeräte im Standby-Betrieb erzeugen kontinuierlich niederfrequente Felder im gesamten Wohnbereich. Besonders im Schlafzimmer kann die Nähe zu Steckdosen und Netzteilen die Feldbelastung in der Nacht erhöhen, was von manchen Betroffenen als schlafstörend erlebt wird.
Im hochfrequenten Bereich entstehen Felder durch alle drahtlosen Kommunikationstechnologien und strahlen aktiv in den Raum ab. Mit der Verbreitung von Smartphones, Smart-Home-Geräten und dem Ausbau des Mobilfunknetzes hat die Dichte hochfrequenter Felder in Wohn- und Schlafräumen in den letzten Jahren stark zugenommen.
Beim Ausbau neuer Mobilfunkstandards rückt die 5G Strahlung zunehmend in den Fokus, weil deutlich mehr Sendeanlagen auf kleinerem Raum installiert werden und die flächendeckende Exposition damit zunimmt. Zahlreiche Anwender berichten, dass sie bei dauerhafter Exposition durch WLAN, Mobilfunk oder Bluetooth Beeinträchtigungen wahrnehmen, die sich nach einer Reduzierung der Quellen merklich bessern.
Grenzwerte für elektromagnetische Felder sollen die Bevölkerung vor nachgewiesenen Schadwirkungen schützen, doch wie aussagekräftig sie wirklich sind, ist eine Frage, die sich viele Menschen zu Recht stellen. Gültig in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Grenzwerte, die auf Empfehlungen der Internationalen Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) basieren und sich an Effekten orientieren, die bei kurzfristiger Hochexposition nachweisbar sind. Langzeiteffekte bei chronisch niedrigschwelliger Exposition, also genau jene Situation in der sich die meisten Menschen befinden, finden in diesen Grenzwerten kaum Berücksichtigung. Kritiker aus Wissenschaft und Medizin weisen seit Jahren darauf hin, dass die Grenzwerte nicht den Stand der neueren Forschung widerspiegeln, und einige Länder haben für bestimmte Anwendungen strengere Vorsorgewerte eingeführt. Grenzwertkonformität eines Geräts bedeutet also nicht, dass von ihm keinerlei Belastung ausgeht, sondern lediglich, dass ein bestimmter politisch festgelegter Schwellenwert nicht überschritten wird.
Elektromagnetische Felder sind keine Erfindung des Menschen. Das Magnetfeld der Erde umgibt uns seit Milliarden von Jahren, die Sonne sendet ein breites elektromagnetisches Spektrum aus, und auch Gewitter erzeugen intensive elektromagnetische Impulse. Natürliche Felder haben die Evolution des Lebens auf der Erde begleitet und der menschliche Organismus ist mit ihnen seit Urzeiten vertraut.
Künstlich erzeugte elektromagnetische Felder unterscheiden sich von natürlichen in mehreren wesentlichen Punkten: Sie sind oft monofrequent statt breitbandig, gepulst statt kontinuierlich, und sie treten in Intensitäten und Frequenzkombinationen auf, für die es kein evolutionäres Vorbild gibt. Hinzu kommen Erdstrahlen, also geologisch bedingte Strahlungsquellen wie Wasseradern oder Gesteinsformationen, die an bestimmten Stellen natürliche Felder erzeugen und von sensiblen Menschen als belastend erlebt werden. Inwiefern der menschliche Organismus auf natürliche und künstliche elektromagnetische Felder grundsätzlich unterschiedlich reagiert, ist ein aktives Forschungsfeld ohne abgeschlossene Antwort.
Über spezielle Messgeräte lässt sich Elektrosmog sichtbar machen, denn sie erfassen elektromagnetische Felder in ihrer jeweiligen Frequenz und übersetzen sie in konkrete Messwerte. Im Hausgebrauch gibt es sogenannte Breitbandmessgeräte, die einen allgemeinen Überblick über die Feldstärken in einem Raum geben, ohne zwischen den einzelnen Quellen zu unterscheiden. Genauere Messungen erfordern frequenzspezifische Geräte, die zwischen niederfrequenten Wechselfeldern, hochfrequenter Funkstrahlung und magnetischen Gleichfeldern differenzieren können.
Professionelle Elektrobiologiemessungen durch speziell ausgebildete Gutachter liefern die präzisesten Ergebnisse und erfassen auch schwer zugängliche Quellen wie Stromleitungen im Mauerwerk oder externe Sendeanlagen. Für eine erste Orientierung reicht ein einfaches Hochfrequenz-Messgerät, das zeigt, wie stark etwa WLAN-Strahlung gefährlich im eigenen Wohn- und Schlafbereich auftritt. Sinnvoll ist dabei, zu verschiedenen Tageszeiten zu messen, da die Feldstärken je nach Nutzungsverhalten und externen Sendeanlagen erheblich schwanken können.
Verschiedene Ansätze stehen zur Reduktion der eigenen Strahlenbelastung zur Verfügung und lassen sich je nach Situation und Bedarf kombinieren. Dabei gilt: Je näher eine Strahlenquelle am Körper ist und je länger die Exposition andauert, desto größer ist die potenzielle Belastung. Jede persönliche Schutzstrategie beginnt deshalb mit einer Bestandsaufnahme der eigenen Umgebung, am besten unterstützt durch eine Messung der tatsächlichen Feldstärken in Wohn- und Schlafbereichen. Bekannte Quellen lassen sich dann gezielt und mit überschaubarem Aufwand angehen. Bewährte Maßnahmen lassen sich schrittweise umsetzen und reichen von einfachen Verhaltensänderungen bis hin zu baulichen oder technischen Lösungen.
WLAN-Router nachts abzuschalten gehört zu den einfachsten und wirkungsvollsten Maßnahmen überhaupt, da der Router rund um die Uhr hochfrequente Felder ausstrahlt, auch wenn gerade kein Gerät verbunden ist. Mobiltelefone sollten nicht im Schlafzimmer aufgeladen werden, und wer sein Smartphone nachts in der Nähe des Bettes hat, setzt sich auch im Schlaf einer kontinuierlichen Strahlungsbelastung aus. Bei Menschen, die auf Wlan Strahlung besonders sensibel reagieren, kann auch der Wechsel von WLAN auf eine kabelgebundene Verbindung eine spürbare Entlastung bringen. Bluetooth-Geräte sollten nur bei aktiver Nutzung eingeschaltet bleiben, da auch sie permanent Felder abstrahlen, solange sie in Betrieb sind.
Schlafräume verdienen besondere Aufmerksamkeit, da der Körper in der Nacht regeneriert und störende elektromagnetische Felder die Schlafqualität nachhaltig beeinträchtigen können. Beim Thema Elektrosmog im Schlafzimmer stehen spezialisierte Abschirmlösungen zur Verfügung, die hochfrequente Strahlung von außen am Eindringen in den Raum hindern. Netzteile und Steckdosenleisten sollten möglichst weit vom Bett entfernt oder vor dem Schlafengehen vollständig vom Netz getrennt werden. Nach Angaben vieler Betroffener führen allein diese Maßnahmen zu einer deutlichen Verbesserung der Schlafqualität.
Neben physikalischen Abschirmlösungen berichten viele Anwender von positiven Erfahrungen mit harmonisierenden Produkten, die nicht die Strahlung blockieren, sondern deren Wirkung auf den Organismus abmildern sollen. Beim Thema Abschirmung von Handystrahlung direkt am Körper finden sich in diesem Bereich ergänzende Möglichkeiten, die von vielen Anwendern als entlastend erlebt werden. Bei viel Zeit im Auto lohnt sich ein Blick auf die Besonderheiten beim Elektrosmog im E-Auto, wo Antriebssysteme und Bordelektronik zusätzliche Felder erzeugen, die sich von gewöhnlichem Fahrzeugbetrieb unterscheiden. Für Haushalte mit digitalen Stromzählern rundet das Smart Meter Strahlung abschirmen das persönliche Schutzkonzept sinnvoll ab.
Autor: Richard Neubersch