Mehr als nur Licht. 5G vor Ihrem Fenster?
In Deutschland, Österreich und der Schweiz verändert der Ausbau des 5G-Netzes seit einigen Jahren unseren Alltag – leise, aber grundlegend.
Wir gehen abends durch unsere Strassen und sehen das vertraute Licht der Laternen. Nicht selten scheint es auch in unsere Schlafzimmer. Wenn Sie die Rollläden herablassen, haben Sie zwar das Licht ausgesperrt, möglicherweise aber nicht die Mobilfunkstrahlung. Auch bei geschlossenen Rollläden dringt sie – je nach Frequenzband und Rollladenmaterial unterschiedlich stark – ins Innere. Kunststoffrollläden dämpfen kaum, Aluminiumrollläden dagegen deutlich.
Und es sind nicht nur die Strassenlaternen, die für den 5G-Ausbau zweckentfremdet werden. Man nennt sie „Small Cells“, und sie werden nach und nach direkt in die bestehende Infrastruktur integriert. Sie befinden sich in Strassenlaternen, Litfasssäulen, an Haltestellen oder in Fassaden und fallen im Stadtbild kaum auf – sie sind versteckt.
Ein Beispiel dafür ist das sogenannte „Street Connect“-Konzept von dem Rosenheimer Unternehmen Kathrein. Hier geht es zum Street-Connect-Konzept.
Wie sich das Netz verändert
Bis heute befinden sich viele 5G-Frequenzbereiche noch in der Anfangsphase. Zugleich ist absehbar, dass neue Frequenzbänder – etwa im Millimeterwellenbereich (mmWave) oder das künftige FR3-Band – zusätzlich erschlossen werden. Mit höheren Datenraten und höheren Frequenzen verringert sich jedoch die Reichweite, und die bestehenden Handymasten reichen für eine flächendeckende Abdeckung nicht mehr aus.
Damit die Verbindung stabil bleibt, braucht es mehr Sendeeinheiten. Die Lösung heisst: „Small Cells“. Sie werden in bestehende Strukturen eingebaut, um das Netz zu verdichten und näher an den Nutzer zu bringen. Beispiel: Vodafone
Die Distanz zwischen Sender und Mensch wird dabei immer geringer, und durch die hohe Dichte der Small Cells erreicht uns die Strahlung gleichzeitig aus mehreren Richtungen. Wie sich diese flächige, dauerhafte Exposition langfristig auswirkt, ist Gegenstand einer wissenschaftlichen Diskussion, die bislang keine endgültigen Antworten kennt.
Was die Forschung untersucht
Die wissenschaftliche Einordnung von Hochfrequenzstrahlung ist nicht einheitlich. Einrichtungen wie die WHO, die ICNIRP, das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz und das Schweizer BAG stufen die aktuellen Grenzwerte grundsätzlich als ausreichend ein. Daneben gibt es eine Gruppe von Forscherinnen und Forschern, die diese Einschätzung kritisch sieht und für niedrigere Grenzwerte plädiert.
So argumentiert das ICBE-EMF-Paper, dass die aktuellen Grenzwerte für Hochfrequenzstrahlung auf veralteten Annahmen beruhen und biologische Effekte wie oxidativer Stress und DNA-Schäden bereits unterhalb dieser Grenzwerte auftreten könnten. Quelle: ICBE-EMF (englisch)
Ein zentraler Begriff in diesem Zusammenhang ist der oxidative Stress – ein Ungleichgewicht zwischen freien Radikalen und den Schutzmechanismen der Zellen.
Auch die ATHEM-3-Untersuchung beschreibt Zusammenhänge zwischen hochfrequenten Feldern und biologischen Reaktionen. Die Studie verglich 24 Erwachsene in zwei Wohngebieten mit unterschiedlicher Exposition gegenüber Hochfrequenz-Feldern von Mobilfunkbasisstationen und fand in der stärker exponierten Gruppe signifikant höhere Raten chromosomaler Aberrationen (z. B. dizentrische Chromosomen, Chromatid-Lücken). Quelle: ATHEM-3 (AUVA)
Beide Arbeiten sind nicht unumstritten. Sie zeigen aber, dass die Frage, wie biologische Systeme auf dauerhafte Einwirkung hochfrequenter Felder reagieren, noch offen ist.
Häufige Beschwerden – offene Fragen
Viele Menschen berichten über Symptome, die ihren Alltag belasten: Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen und chronische Erschöpfung treten häufig gemeinsam auf.
Dass diese Beschwerden weit verbreitet sind, zeigen bevölkerungsweite Erhebungen:
- Laut einer Statista-Umfrage aus dem zweiten Halbjahr 2025 gaben rund 42 % der Befragten in Deutschland an, in den vorangegangenen zwölf Monaten unter Schlafstörungen gelitten zu haben.
- Laut der GEDA-Studie 2023 des Robert Koch-Instituts berichteten 15,9 % der Erwachsenen über eine subjektiv wahrgenommene Verschlechterung ihres Gedächtnisses.
- Laut GEDA 2024 gaben 53,7 % der Erwachsenen eine chronische Krankheit oder ein langanhaltendes Gesundheitsproblem an.
Diese Zahlen sagen für sich genommen nichts über Ursachen aus. In der öffentlichen Diskussion werden sie meist mit Stress, psychischer Belastung und Schlafmangel in Verbindung gebracht – Faktoren, die in vielen Fällen eine Rolle spielen. Die Frage, ob und in welchem Umfang auch Umweltfaktoren wie Elektrosmog und hochfrequente Felder beitragen, wird bisher kaum systematisch untersucht. Gerade weil die Exposition heute flächendeckend und dauerhaft ist, lohnt es sich, diese Frage offenzuhalten, statt sie vorschnell zu verneinen.
Umwelt und Eigeninitiative
Unsere Umwelt hat sich in den letzten Jahren deutlich verdichtet. Licht, Geräusche, digitale Reize und elektromagnetische Felder wirken gleichzeitig auf uns ein. Der Körper steht in einem ständigen Austausch mit diesem Umfeld und versucht, ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Mit der zunehmenden Verdichtung stellt sich die Frage, wie sich dieses Gleichgewicht langfristig entwickelt, wenn die Einwirkungen näher und dauerhafter werden. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich – was den einen kaum berührt, kann für andere spürbar sein.
Dieser Text möchte konkrete Beobachtungen aus dem Alltag mit technischen Hintergründen und aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen verbinden. Er liefert bewusst keine pauschalen Antworten oder allgemeingültigen Rezepte. Die passenden Massnahmen ergeben sich aus der eigenen Lebenssituation, den individuellen Empfindungen und dem persönlichen Umfeld.
Er lädt dazu ein, den eigenen Blick zu erweitern, die Umgebung bewusster wahrzunehmen und daraus die für sich stimmigen Schlüsse und Schritte abzuleiten. Was daraus entsteht, entwickelt sich in der eigenen Betrachtung – und findet seinen Ausdruck in den Lösungen, die jede und jeder für sich selbst entdeckt.


